Sonntag, 16. März 2008

Wikipedia und die Wissensgesellschaft

Tobias Kniebe schreibt im SZ-Magazin einen Artikel über das Ende des gedruckten Brockhaus - und über die Wikipedia, die das letztlich vielleicht nicht verursacht, aber zumindest beschleunigt hat. Deren Kritiker sind bestürzt angesichts der Tatsache, dass dort jeder in den Artikeln rumeditieren kann. Kniebe sieht darin eine Sehnsucht nach einer Autorität, die gesicherte Auskunft darüber geben kann, was wahr und falsch ist; als könne es die letzte Wahrheit überhaupt geben, als wäre der Prozess der Wahrheitssuche jemals abgeschlossen. Dieser Prozess besteht vielmehr in einer ständigen Annäherung durch Verifizieren, Nachforschen, Falsifizieren. Dazu gibt das Internet aber heute prinzipiell jedem die Möglichkeit.



Die Aufgabe, sich ein eigenes Bild von der Welt zu machen, muss uns niemand mehr abnehmen – schon gar nicht ein einzelnes Lexikon. Bei Licht betrachtet konnte es das ohnehin noch nie – es hat uns nur falsche Sicherheit vorgegaukelt.


Ich denke, was das Potential betrifft, hat er damit durchaus recht. Faktisch stehen die Möglichkeiten des Internet und der Recherche in den Wissensbeständen der ganzen Welt nicht jedem gleichermaßen offen. Dazu sind bestimmte Kompetenzen nötig, die je nach Schicht- (oder Klassen-) Zugehörigkeit unterschiedlich verteilt sind.

Aber das Potential ist groß und großartig.

Die Skepsis, mit der wir stattdessen dem Wissen des Internets nun gegenübertreten, ist daher nichts anderes als ein kultureller Quantensprung. So wenig wir noch geneigt sind, einzelnen Politikern zu trauen, einzelnen Institutionen, Zeitungen, Nachrichtenquellen – so wenig sollten wir auch in der Welt des Wissens noch länger der Illusion anhängen, es könne andere gültige Wahrheiten geben als die, die wir selbst überprüft haben.

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