Dienstag, 18. März 2008

America's next next next next...

Top Model. Ist diese Veranstaltung nicht spätestens ab der zweiten Staffel nichts als eine Farce? Jedenfalls unter diesem Namen und angesichts der Tatsache, dass es bisher keine der Gewinnerinnen tatsächlich zum 'Topmodel' gebracht hat. Aber es wird munter jede Saison nach dem nächsten 'Supermodel' gesucht, und alle Beteiligten nehmen die Sache bitterernst.

In Deutschland im Prinzip das Gleiche, aber ich finde die amerikanische Version spannender (man kann die alten Staffeln - 10 gab es bisher - auf youtube anschauen). Wegen der kulturellen Unterschiede vermutlich. Wegen der Klischees, die man in den Mädchen wiederfinden kann: das Landei aus dem mittleren Westen. Die religiöse Fanatikerin mit der Bibel unterm Arm. Die Großstadt-Zicke. Die Über-Patriotin. Das nerdy girl, unter deren dicker Brille sich eine echte Schönheit versteckt. Die netten und die aggressiv ehrgeizigen. Das eigentlich spannende sind nicht die Laufstegauftritte und Photo Shoots (ich kenne nicht mal das deutsche Wort dafür), sondern das Zusammenleben der Mädchen und ihre Charaktere - so, wie sie eben inszeniert und präsentiert werden. Man kann sie dabei beobachten, wie sie 'ihren großen Traum' verfolgen und dafür unglaubliche Strapazen und Demütigungen in Kauf nehmen.

Ich nehme an, das ist der Grund, warum sich auch die 10. Staffel noch viele Menschen angeschaut haben.


Und kluge Ratschläge gibts dazu (ernsthaft) - von einer ehemaligen Gewinnerin an die neuen Kandidatinnen: Schau nicht auf die anderen. Es kommt darauf an, was du tust.

Genau. Deshalb hör ich jetzt wieder auf mit Video-schauen und lese lieber ein bisschen.

Sonntag, 16. März 2008

Wikipedia und die Wissensgesellschaft

Tobias Kniebe schreibt im SZ-Magazin einen Artikel über das Ende des gedruckten Brockhaus - und über die Wikipedia, die das letztlich vielleicht nicht verursacht, aber zumindest beschleunigt hat. Deren Kritiker sind bestürzt angesichts der Tatsache, dass dort jeder in den Artikeln rumeditieren kann. Kniebe sieht darin eine Sehnsucht nach einer Autorität, die gesicherte Auskunft darüber geben kann, was wahr und falsch ist; als könne es die letzte Wahrheit überhaupt geben, als wäre der Prozess der Wahrheitssuche jemals abgeschlossen. Dieser Prozess besteht vielmehr in einer ständigen Annäherung durch Verifizieren, Nachforschen, Falsifizieren. Dazu gibt das Internet aber heute prinzipiell jedem die Möglichkeit.



Die Aufgabe, sich ein eigenes Bild von der Welt zu machen, muss uns niemand mehr abnehmen – schon gar nicht ein einzelnes Lexikon. Bei Licht betrachtet konnte es das ohnehin noch nie – es hat uns nur falsche Sicherheit vorgegaukelt.


Ich denke, was das Potential betrifft, hat er damit durchaus recht. Faktisch stehen die Möglichkeiten des Internet und der Recherche in den Wissensbeständen der ganzen Welt nicht jedem gleichermaßen offen. Dazu sind bestimmte Kompetenzen nötig, die je nach Schicht- (oder Klassen-) Zugehörigkeit unterschiedlich verteilt sind.

Aber das Potential ist groß und großartig.

Die Skepsis, mit der wir stattdessen dem Wissen des Internets nun gegenübertreten, ist daher nichts anderes als ein kultureller Quantensprung. So wenig wir noch geneigt sind, einzelnen Politikern zu trauen, einzelnen Institutionen, Zeitungen, Nachrichtenquellen – so wenig sollten wir auch in der Welt des Wissens noch länger der Illusion anhängen, es könne andere gültige Wahrheiten geben als die, die wir selbst überprüft haben.

Samstag, 15. März 2008

Mantra

The only way out is through.

Wo die Angst ist, gehts lang.


(Nicht vergessen.)

Freitag, 14. März 2008

Die Arbeit der Erwerbslosen

Ich war gestern Abend auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung - Thema: Außen vor oder mittendrin? Gesellschaftliche Partizipation und Anerkennung erwerbsloser Menschen.
Zuerst hat der Arbeits- und Organisationspsychologe Sascha Göttling einen Vortrag gehalten, über seine Studie über Arbeitslose. Was habe ich davon mitgenommen?



  • Nur weil jemand erfolgreich promoviert hat, heißt das nicht, dass er seine interessanten Ergebnisse auch erfolgreich verkaufen (sprich: rüberbringen) kann. Sätze aus der Diss vorlesen macht noch keinen guten Vortrag, leider.
  • Die allermeisten Arbeitslosen arbeiten. Die Arbeit wird nur nicht bezahlt und viel zu oft auch nicht anerkannt.
  • Denn Arbeit ist nicht nur Erwerbsarbeit, sondern z.B. auch Familienarbeit, Bildungsarbeit, Gemeinsinnarbeit.
  • Arbeiten ist wichtig - eine anthropologische Konstante.
  • Aber noch wichtiger ist es, über die Arbeitsbedingungen mitbestimmen zu können - und für die Arbeit Anerkennung zu bekommen.

Die Forderung, den Arbeitsbegriff auszudehnen über die enge Definition von "bezahlte Erwerbsarbeit" hinaus, war mir nicht neu. (Gibt es einen Wissenschaftler, der das ernsthaft anders sehen würde?) Trotzdem: je mehr darüber forschen und sprechen, desto besser. Denn auch die Erwerbslosen tragen durch ihre Tätigkeiten zur Integration und Aufrechterhaltung der Gesellschaft bei. Und sie könnten es in noch wesentlich größerem Ausmaß (und es würde ihnen besser dabei gehen), wenn sie nicht ausgegrenzt und stigmatisiert würden, sondern als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt und nicht zuletzt auch finanziell in ausreichendem Maße unterstützt.

Mittwoch, 12. März 2008

Integration

Hier in Berlin leben viele türkische Familien - erste, zweite, dritte, vierte Generation (ab wann ist es eigentlich eine deutsche Familie und keine türkische mehr?). Und man hat ja oft diese Vorstellung über die traditionellen, patriarchalen Familienstrukturen: die Söhne dürfen alles, die Töchter werden unterdrückt und quasi eingesperrt.
Ich arbeite gerade bei einem Forschungsprojekt mit, und in Interviews mit türkischen Mädchen (in den meisten Fällen sind die Eltern immigriert) zeigt sich, dass diese 15- und 16-jährigen mit großer Selbstverständlichkeit "westliche" Werte und Normen leben: sie haben einen Freund, treffen sich mit Freundinnen (auch wenn die Eltern damit nicht einverstanden sind), sie nehmen am globalisierten Austausch qua Medien teil. Oft tun sie das heimlich, insbesondere von den Liebesbeziehungen dürfen die Eltern häufig nichts wissen. Also doch unterdrückt? Ich will nicht bestreiten, dass das oft eine Belastung ist. Und dass es tatsächlich (auch gewaltsam) unterdrückte Mädchen gibt.
Dennoch, viele dieser Mädchen behaupten sich selbst gegen die repressiven, traditionellen Normen ihrer "Herkunft" (genauer gesagt: der ihrer Eltern und Großeltern). Ohne einen offenen Bruch mit ihrer Familie zu provozieren und damit deren Rückhalt zu verlieren. Und das ist eine Form der Integration - des Sich-einen-eigenen-Weg-Suchens zwischen den Normen der Eltern, der deutschen Gesellschaft, der deutschen Jugendlichen.

Das hat mich beeindruckt.

vgl. das Konzept der segmentierten Assimilation in Portes/ Rumbaut: Ethnicities. Children of Immigrants in America. Berkeley: University of California Press. 2001.

Dienstag, 11. März 2008

Schöne Stelle

Paradoxie von subjektiver Avantgarde und objektiver Regression qua Autonomie-Verweigerung.


Ulrich Oevermann

Samstag, 8. März 2008

"Irren ist menschlich"

... so der Titel eines Lehrbuchs für Psychiatrie, was ich schon mal großartig finde. Das Buch ist 1978 zum ersten Mal erschienen und wurde seitdem mehrfach überarbeitet; es gehört offenbar zu den Standard-Lehrbüchern. Ich habe hier nur eine Wiederauflage der ersten Ausgabe (von 1982), weshalb sicher einiges veraltet ist. Mir kommt es beim Lesen auch nicht auf die Details an, ich studiere ja nicht Psychologie oder Medizin; trotzdem werde ich bei Gelegenheit mal in die neue Auflage reinschauen.
Was ich toll finde (und nicht nur ich) ist die Grundhaltung des Buches, die sich in diesen Sätzen aus der Einleitung ausdrückt:
[Der Titel] soll uns ständig daran erinnern, daß die Psychiatrie ein Ort ist, wo der Mensch besonders menschlich ist; d.h. wo die Widersprüchlichkeit des Menschen nicht ohne weiteres auflösbar ist, so das Banale und Einmalige, Oberfläche und Abgrund, das Kranke und Böse, Weinen und Lachen, Leben und Tod, Schmerz und Glück, das Sich-Verstellen und Sich-Wahrmachen, das Sich-Verirren und Sich-Finden. Der Titel rät zu Bescheidenheit. Er zeigt, daß wir versuchen, die Psychiatrie wieder von ihrem Anlaß her zu verstehen: vom Menschlich-Allzu-Menschlichen des Menschen. (S. 10)

Donnerstag, 6. März 2008

NDR wird CC (ein bisschen)

Ein Beitrag aus der Reihe: Warum krieg ich das erst jetzt mit?
Beim NDR kann man sich (offenbar ungefähr seit Ende letzten Jahres) ausgewählte Videos runterladen - unter der Creative Commons-Lizenz. Bislang nur Beiträge aus zwei Sendungen, aber immerhin aus zwei sehenswerten Sendungen, nämlich Zapp und Extra 3. In diesem Zapp-Beitrag erklären sie, warum. Mit ziemlich vernünftigen Begründungen: Das Urheberrecht sei in seiner herkömmlichen Form dem Internetzeitalter nicht mehr angemessen. Und der Gebührenzahler habe ja bereits für die Produktion gezahlt, daher sollen die Sachen auch frei verfügbar sein.

Ja, recht hat er (der Jobst Plog, der das in dem Video sagt). Wann werden die ganzen anderen Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen frei verfügbar sein? Nicht nur im hakeligen Flashformat auf deren Mediathek-Seiten, sondern in ordentlicher Qualität zum Runterladen und Mitnehmen und Archivieren - und zum Weitergeben? Ich versteh nicht, warum die nicht alle total glücklich drüber sind, dass sich viele Leute das in guter Qualität anschauen und es auch noch weiterverbreiten wollen. Dafür machen sie das Zeug doch, damit es gesehen wird. Und bei den Öffentlich-Rechtlichen kann es ja (nehme ich an) gerade nicht um die Werbeeinnahmen gehen, die verloren gehen, wenn die Leute die Sendungen nicht mehr im Fernseher anschauen, sondern am Rechner. Vielleicht ist es diese altmodische Vorstellung, man müsse als Produzent die Kontrolle darüber behalten, wie und über welche Wege die Sachen verbreitet werden.
Vielleicht muss man sich davon allmählich verabschieden.



Musik des Tages: The Köln Concert von Keith Jarrett.

Mittwoch, 5. März 2008

"Um, my name is Abe Lincoln and I'm your president"

Ich bin heute auf einen Artikel von Nicole Zillien gestoßen - mit dem Titel: "Power Point makes you dumb" - Ein Klärungsversuch mit Hilfe der Theorie der Strukturierung. (Erschienen in diesem Buch, ab S. 155 - in der Vorschau sind aber nicht alle Seiten verfügbar).

Über den Artikel will ich aber gar nicht schreiben, weil ich den noch nicht zu Ende gelesen habe. Ich möchte stattdessen auf die folgende Demonstration der, öhm, allumfassenden Nützlichkeit von Powerpoint verweisen: die Gettysburg Powerpoint Presentation. (Den Originaltext der Gettysburg Address gibts am Ende der Präsentation oder hier).

Was will uns der Autor damit sagen? Powerpoint-Präsentationen sind nicht für alles geeignet. Vielleicht könnte man es auch so formulieren: Wenn man nichts zu sagen hat, wirds durch Powerpoint auch nicht besser; wenn man was zu sagen hat, kann mans durch Powerpoint trotzdem gründlich ruinieren. Allerdings gilt das auch für den Vortragsstil überhaupt: es reicht nicht, was zu sagen zu haben; man muss es auch rüberbringen können. Dabei kann Powerpoint (öhm, oder Keynote oder Impress) dann schon helfen. Manchmal.
Meine persönlichen Powerpoint-Regeln (gewonnen aus eigener Erfahrung im Präsentieren und vor allem im Zuhören): wenig Text auf die Folien. Keine einzeln hereinschwebenden/ -fahrenden/ -hüpfenden Zeilen. (Ja, es gibt Ausnahmen, aber das sind die Grundregeln). Schon gar nicht von Bremsgeräuschen begleitet (ja, das hab ich schon erlebt (an der Uni) und nein, dazu gibts keine Ausnahmen). Und wenig Text. Je weniger die Folien aus sich selbst heraus (ohne den Vortrag dazu) verständlich sind, desto besser.

Montag, 3. März 2008

Anthropologische Konstante

Aus der Reihe "Ich weiß nicht worüber ich schreiben soll und suche mir deshalb ein Thema, indem ich wahllos einen Artikel aus dem Lexikon aussuche": heute die anthropologische Konstante. Das sind psychische, organische oder soziale Eigenschaften des Menschen, die örtlich und zeitlich invariant sind - die also alle Menschen zu allen Zeiten aufweisen und aufgewiesen haben - und die zugleich den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheiden.
Darum sind sie wichtig für die Soziologie und die Erziehungswissenschaft und überhaupt für alle Wissenschaften vom Menschen, denn sie sind die Grundlage aller Kultur und stellen zugleich die Grenzen dar, innerhalb derer der Mensch sich selbst (durch Kulturtechniken wie Erziehung, Arbeit, Technik, Politik u.a.) verändern kann.

Karlheinz Messelken: Konstante, anthropologische. In: Günter Endruweit/ Gisela Trommsdorff (Hrsg): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 2002.

Sonntag, 2. März 2008

Nachtrag zum Fernsehen

Vorgestern schrieb ich über das Nicht-Fernsehen:


und wenn man nach einer Weile Abstinenz wieder mal schaut, fällt einem auf, was das alles für ein Schrott ist

Und man verpasst zwar so manches, aber irgendwie bin ich darüber hinterher auch manchmal ganz froh. Wie in diesem Fall: Anfang Januar sendete Sat 1 eine Art... Remake der wunderbaren britischen Serie The IT-Crowd. "Remake" klingt aber zu positiv - sie haben einfach die Original-Texte eins zu eins übersetzt und von drittklassigen deutschen Schauspielern (und Sky Dumont) nachspielen lassen. Eins zu eins? Nein, nicht ganz, zielsicher haben sie die lustigsten Passagen weggelassen oder verändert.

Auf youtube gibts einen Direktvergleich zwischen Original und Fälschung, für die erste und die zweite Folge (danach wurde die Serie dankenswerterweise von Sat 1 abgesetzt).

Hier kann man sich die zwei Folgen anschauen (ja! Online, kostenlos, die kompletten Folgen! Das finde ich nun wieder sehr lobenswert von Sat 1. Auch dass sie die Videos nach dem Flop nicht klammheimlich wieder entfernt haben).
Artikel bei nerdcore