Freitag, 29. Februar 2008
(Nicht) Fernsehen
Aber ganz ohne gehts doch nicht, muss auch nicht: für ausgewählte Sendungen verwende ich den Online-TV-Recorder.
Und dann schau ich mir noch sehr gerne das Fernsehkritik.tv-TV-Magazin an (ca. eine Folge pro Monat). Eine schöne Zusammenfassung der absurdesten Sendungen/ Sender. So ist man ein bisschen auf dem Laufenden und muss sich nicht so über das, was man da sieht, ärgern, weil das schon für einen erledigt wird. Klar, aufregen kann man sich trotzdem noch, aber die Kritik wird gleich mitgeliefert. Ein bisschen wie das wunderbare, wichtige Bildblog.
Donnerstag, 28. Februar 2008
OMG die Linkspartei!!
Der große Fehler (das betrifft auch wieder alle anderen Parteien) war, das die SPD vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei definitiv ausgeschlossen hat - die vorsichtige Öffnung zur Linkspartei war richtig, nur erfolgte sie zu spät. In Zukunft kann man also Glaubwürdigkeit dazugewinnen, wenn man eine Zusammenarbeit mit keiner demokratischen Partei vor der Wahl ausschliesst. Dann ist es hinterher auch glaubwürdig, wenn man mit der Linkspartei zusammenarbeiten will, weil das ja keinen programmatischen Kurswechsel in die kommunistische Vergangenheit bedeutet (mit der heutigen Linkspartei ist das schon ein ziemlich abenteuerlicher Vorwurf!) - vielmehr symbolisiert es den Machtanspruch der Partei, der ja nun wirklich nicht verwerflich ist.
Unerträglich ist nun das Gerede der anderen Parteien, Beck einen Wortbruch vorzuwerfen. Zwar ist es in der Sache ein Vorwurf, der korrekt ist - doch in meinen Augen hat Beck sogar Anerkennung verdient, weil er in der verfahrenen Situation in Hessen als erster seine Position gelockert und damit das Enstehen einer Regierung in Hessen überhaupt erst ansatzweise möglich gemacht hat! Verlierer sind für mich die anderen Parteien (konkret vor allem CDU und FDP), die starr in der Ecke stehen und nicht den Mut haben, sich auf die anderen Parteien zuzubewegen.
Mittwoch, 27. Februar 2008
Es gibt was zu feiern: ein neues Grundrecht!
Sehr nett fand ich diesen Satz aus der Live-Berichterstattung auf netzpolitik.org: "Sachverständiger auf Phoenix ist verwundert, wie lebensnah die Urteilsbegründung war."
Links/ Quellen:
Schöner Kommentar von Heribert Prantl (SZ)
Die Entscheidung des BVerfG
Mitschnitt der Live-Übertragung der Urteilsverkündung bei Phoenix
Meldung bei netzpolitik.org (mit haufenweise weiteren Links)
... und die bei heise.de
Dienstag, 26. Februar 2008
Studie über Hartz IV-Betroffene
Bereits an zweiter Stelle der am schwersten erlebten Entbehrungen der Betroffenen, so eins der zentralen Ergebnisse, "steht (…) (dabei) die Ernährung. Offenbar sparen sich viele (…) die Ausgaben für Dinge, die im Regelsatz nicht vorgesehen sind - etwa eine Monatskarte für den Stadtverkehr, das Abonnement einer Tageszeitung, Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke - buchstäblich vom Munde ab".
Ich finde es erschütternd, dass nicht mal die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel oder eine Tageszeitung zum Grundbedarf für ein menschenwürdiges Leben (in diesem Land) gehören - abgesehen davon, dass es zumindest fraglich ist, ob der Regelsatz auch nur für eine halbwegs gesunde, vollwertige Ernährung ausreicht.
Gut, hier könnte man argumentieren (und könnte man nicht nur, tun auch viele): Hartz IV soll ja kein bequemes Leben ermöglichen; niemand soll auf Dauer davon leben; es soll ja noch genug Anreize geben, sich um einen Job zu bemühen.
Aber eine solche Argumentation blendet aus, dass es schlicht nicht genug Jobs gibt, nicht mal annäherungsweise. Strukturell bedingt, dafür ist keiner der Hartz IV-Betroffenen in irgendeiner Form verantwortlich. Und es ist einfach nur zynisch und falsch, die Verantwortung für die Arbeitslosigkeit so ausschließlich bei den betroffenen Individuen zu sehen und sie durch immer mehr Kontrollen und Sanktionen zu bestrafen und zu gängeln.
Nochmal Anne Ames mit Forderungen an die Politik, die ich für zumindest diskussionswürdig halte:
(Frage:) Was schließen Sie aus Ihren Befunden? Ist ein Einschreiten der Politik gefragt?
Ach Gott, was heißt "Einschreiten"? Meines Erachtens sollten Politiker nicht schreiten, weder ein noch aus, sondern die Fakten zur Kenntnis nehmen, nachdenken und Politik machen. Und Politik machen ist eben etwas anderes, als partikulare Wirtschaftsinteressen zu bedienen.
(Frage:) Was genau wäre notwendig, um diesen Missständen abzuhelfen?
Anne Ames: Erstens eine deutliche Erhöhung der Regelleistung, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche, damit es den Menschen möglich ist, am gesellschaftlichen Leben, an Bildung und Kultur teilzunehmen.
Zweitens eine von Eltern und Partnern oder Partnerinnen unabhängige Einkommenssicherung für alle erwachsenen, das heißt alle über 17-jährigen Erwerbslosen.
Drittens eine Arbeitsmarktpolitik, die diesen Namen verdient. Das heißt eine Politik, die sich an der Schaffung und Erhaltung sinnvoller Arbeitsplätze maßgeblich beteiligt, und nicht an deren Abbau. Hierzu gehörte meines Erachtens vor allem die entschiedene Zusammenarbeit von Gesetzgeber und Gewerkschaften für eine ganz andere Arbeitszeitpolitik. Bei einer Regelarbeitszeit von 30 Wochenstunden würden alle bezahlte Arbeit finden, die ihren Lebensunterhalt liebend gern aus eigenen Kräften bestreiten würden.
Freilich müsste eine solche Arbeitszeitpolitik auch flankiert sein von einer Aus- und Fortbildungspolitik, die es den Arbeitssuchenden ermöglicht, ihre berufliche Qualifikation den Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen, anstatt sie in sinnlosen so genannten Trainingsmaßnahmen zu verschleißen.
Viertens - aber das würde sich dann von allein ergeben - die ersatzlose Streichung des existenzbedrohenden und herabwürdigenden Sanktionsparagrafen 31 SGB II. Wenn es genug existenzsichernde Arbeitsplätze gäbe, müsste Papa Staat die Leute keineswegs unter Androhung von Gewalt zu ihrem vermeintlichen Glücke zwingen.
Ich persönlich finde, über diese Forderungen hinausgehend, auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sehr interessant und langfristig vielleicht unvermeidlich. Kurzfristig sind aber Lösungen wie die von Anne Ames sicher weniger utopisch und insofern möglicherweise durchsetzbarer.
Aktuell arbeitet Ames an einer Studie über "die Arbeitssituation und das Rollenverständnis der so genannten persönlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Fallmanagerinnen und Fallmanager in den ALG-II-Behörden", auf die ich sehr gespannt bin.
Montag, 25. Februar 2008
Gelesen I
Donnerstag, 21. Februar 2008
Rational Choice-Theorie
Rational Choice-Theorie
Die Rational Choice-Theorie steht in der Tradition des strukturell-individualistischen Ansatzes, der von der Annahme ausgeht, dass soziale Phänomene aus dem Handeln individueller Akteure heraus erklärt werden können (und sollen). Sie geht von drei Kernhypothesen aus: Erstens, das Handeln von Individuen wird durch ihre Präferenzen bedingt; sie versuchen, durch ihr Handeln ihre Ziele zu realisieren. Zweitens, das Handeln von Individuen wird auch dadurch bedingt, welche Ressourcen und Restriktionen das Erreichen der Ziele ermöglichen oder beschränken (z.B. Einkommen, soziale Normen, rechtliche Bedingungen). Drittens, die individuellen Akteure handeln nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung. Sie handeln so, dass unter den bestehenden Einschränkungen ihre Ziele in möglichst hohem Maße realisiert werden.
Uneinigkeit besteht innerhalb der Theorie unter anderem darüber, welche Motive und Ziele in Betracht gezogen werden - nur egoistische Motivationen oder auch z.B. das Ziel, Normen zu befolgen; ebenso darüber, ob nur objektiv vorhandene Beschränkungen eine Rolle spielen oder auch subjektiv wahrgenommene.
Diskussion und Kritik lass ich mal weg.
Angewendet werden Ansätze, die in der Tradition der Rational Choice-Theorie stehen, z.B. in der Bildungsforschung: Die Werterwartungstheorie von Hartmut Esser erklärt Bildungsentscheidungen von Eltern (für ihre Kinder) durch das Verhältnis zwischen den Kosten, die ein längerer Schulbesuch des Kindes verursacht, und dem erwarteten Nutzen. In den oberen Schichten besteht der Nutzen vor allem darin, einen Statusverlust durch einen Abstieg zu vermeiden. Die Kosten spielen eine untergeordnete Rolle. In den unteren Schichten überwiegen daher oft die Kosten: ein längerer Schulbesuch des Kindes bedeutet höhere Kosten, weil das Kind später in den Arbeitsmarkt gelangt und Geld verdient, zumal dann, wenn der höhere Schulabschluss ein Studium ermöglicht. Die Schulnoten des Kindes werden demnach unterschiedlich interpretiert bzw. führen zu unterschiedlichen Entscheidungen.
Opp, Karl-Dieter: Rational Choice Theory/ Theorie der rationalen Wahl. In: Endruweit, Günter/ Trommsdorff, Gisela (Hg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 2002. S. 424-427.
Esser, Hartmut: Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 1: Situationslogik und Handeln. Frankfurt/ New York 1999. Darin: Kapitel 7. Die Wert-Erwartungstheorie.
Dienstag, 19. Februar 2008
LaTeX - Texte debuggen für Anfänger
- Pages - schickes Programm, macht schickes Layout. Aber es kann keine ordentliche Gliederung.
- NeoOffice (OpenOffice für Mac) - langsam, sieht nicht schön aus. Kann Gliederung, tut aber nicht immer das, was es soll.
- Word - ich kauf mir doch kein Microsoft-Programm, um es dann auf meinem Mac laufen zu lassen. Nee Quatsch: Ich kauf mir doch kein Microsoft-Programm. Und mit Fußnoten und Gliederung hab ich in Word auch schon mal ganz schön gekämpft.
Gibt's sonst noch was? Nein, nicht dass ich wüsste. Also LaTeX.
Heute hab ich TexShop installiert - gleich im Paket mit einer TeX-Installation, ohne geht's nicht (lässt sich hier als MacTex runterladen, ist aber immerhin 740 MB groß). Installieren ging problemlos. Man kann dann aus dem Menü Vorlagen auswählen, die bei mir aber nicht funktioniert haben - ich hab deshalb von hier eine Vorlage für eine Uni-Hausarbeit runtergeladen, in der die Kommentare gleich die wichtigsten Syntaxbefehle erklären. Deckblatt und Inhaltsverzeichnis sind auch schon drin.
Mustertext durch eigene Ausführungen ersetzen, auf 'Setzen' klicken, professionell aussehendes pdf bestaunen.
WYSIWYG ist für Anfänger, pah.
Für LaTeX-Anfänger: Hier ein Wikibook zum Thema. Und in diesem Forum dürfte man für die meisten Probleme eine Lösung finden. Und darüber hinaus... ist das Internet voll mit weiteren Tips, Foren, Dokumenten, Vorlagen, Diskussionen. Bei Bedarf kann man sich damit tagelang von der inhaltlichen Arbeit am Text ablenken. Genauso wie mit Formatierungsmachtkämpfen mit Word.
Als nächstes steht dann die Literaturverwaltung mittels BibTeX an.
Montag, 18. Februar 2008
Soziologie im Internet I - sozwiki
Wiki zu Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die aus soziologischer Perspektive aufgearbeitet werden können. Zielsetzung von Sozwiki ist die kollaborative Erzeugung, Erweiterung, Überprüfung, Verfeinerung und öffentliche Bereitstellung von Artikeln und Ressourcen zu Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft und Kultur, soweit sie zum Gegenstandsbereich der Soziologie gehören.
(...)
Das Sozwiki ist durch offene Teilnahme bei wissenschaftlichem Qualitätsanspruch gekennzeichnet. Die in einem redaktionellen Verfahren geprüften, entsprechend gekennzeichneten und anschließend nicht mehr veränderbaren Artikel werden also zitierfähig sein. Bis dahin bleibt allerdings noch viel zu arbeiten.
Ich bin begeistert, großartige Idee.
Übrigens auch sehr empfehlenswert: das sozlog.
Sonntag, 17. Februar 2008
Huh?!
Sarrazin rechnet vor, dass man mit ca. 4 € am Tag "vollständig, gesund und wertstoffreich" ernähren kann. Heiner Geissler zeigt, dass die Rechnung so nicht aufgeht und dass Sarrazins Speiseplan zur Unterernährung führt (und darüber, ob z.B. eine Scheibe Brot für 4 ct. auch in 'wertstoffreich und gesund' zu bekommen ist, bin ich mir auch nicht ganz sicher). (Hier hat jemand einen Selbstversuch mit dem Speiseplan gemacht und am dritten Tag aufgegeben.)
Und dieser junge Mann von der CSU kommentiert, dass Hartz IV ja schließlich auch nicht so gedacht sei, dass man sich darin wohlfühlen kann, und dass man sich ja bloß eine ordentliche, gut bezahlte Arbeit suchen muss. "Die Fleißigen werden belohnt, die Faulen bestraft. So ist das." Alles klar. "Und die armen Kinder? Die können einem wirklich leid tun, vor allem wegen ihrer Eltern." Ja, das wars zum Thema Kinder in dem Artikel. Bitte sag mir jemand, dass das Satire ist.
Mir ist schlecht.
Samstag, 16. Februar 2008
Wissen und Information
Die soziologische Untersuchung des Wissens (vgl. Wissenssoziologie) zeigt aber, dass nicht alles Wissen individuell erarbeitet wurde und auf Erfahrung beruht. Wissen ist vielmehr (auch) sozial konstruiert und historisch kontingent. Es umfasst nicht nur angeeignete Information, sondern die Bedeutungs- und Sinnstruktur, die den Hintergrund aller Alltagshandlungen bildet und die mit der Sozialisation verinnerlicht werden.
Nicole Zillien: Digitale Ungleichheit. Wiesbaden 2006 (hier: S. 6ff).
Freitag, 15. Februar 2008
Open Access
Open Access bedeutet: freier (kostenloser) Zugang zu wissenschaftlichen Texten über das Internet. (Ursprünglich hat der Begriff eine umfassendere Bedeutung, nämlich die freie Verfügbarkeit allen Wissens und aller Kulturgüter.)
Durch das Internet ist die Veröffentlichung und Verbreitung wissenschaftlicher Texte nicht mehr an das traditionelle Publikationswesen gebunden – früher war es unumgänglich, Zeitschriften zu drucken und zu verbreiten, wenn überhaupt jemand außerhalb der eigenen Universität die Texte eines Wissenschaftlers lesen sollte. Das ist heute anders: ohne großen Aufwand kann jeder seine Texte im Internet veröffentlichen.
(...)
Dass die Artikel überhaupt zugänglich sind, ist nicht nur für die interessierte Öffentlichkeit wichtig; auch die Wissenschaftler sind darauf angewiesen, ihre eigene Arbeit auf die ihrer Kollegen aufzubauen – nur so funktioniert wissenschaftlicher Fortschritt.
Die meisten Wissenschaftler stehen der Idee des Open Access grundsätzlich sehr positiv gegenüber – und veröffentlichen ihre eigenen Artikel, wenn sie die Wahl haben, doch lieber in "traditionellen" Zeitschriften. Das hängt damit zusammen, dass das Prestige eines Forschers nicht nur von der Anzahl seiner Veröffentlichungen abhängt, sondern vor allem auch davon, wo er veröffentlicht hat, also vom Prestige der jeweiligen Zeitschriften. In den meisten Fachbereichen gibt es einige wenige "etablierte Namen" – an die die Open-Access-Zeitschriften nicht heranreichen, z.B. weil sie einfach noch nicht so lange existieren. Aus diesem Grund werden Artikel von hoher wissenschaftlicher Qualität eher in traditionellen Zeitschriften veröffentlicht.
Leider zählt (auch) in der Wissenschaft das Ansehen oft mehr als die weite Verbreitung und freie Verfügbarkeit des Wissens.
Ein etwas pessimistisches Fazit. Es gibt aber natürlich Ausnahmen, auch in "meinen" Fachbereichen. Zum Beispiel die Veröffentlichungen in der Open Access-Zeitschrift FQS (Forum Qualitative Sozialforschung).
Umso mehr ärgere ich mich immer dann, wenn ich einen Artikel nicht im Internet finde (oder nur zu absurden Preisen von 20 € und mehr - für einen Artikel, nicht für ein Buch) und zu einer Bibliothek fahren muss, in der diese Zeitschrift verfügbar ist (nicht vergessen, sie vorher noch aus dem Archiv zu bestellen). Oft wegen eines Artikels, von dem ich nicht mal sicher bin, ob ich ihn wirklich brauche.
Donnerstag, 14. Februar 2008
Institutionelle Diskriminierung
Herkömmliche Erklärungsansätze beziehen sich vor allem auf Eigenschaften der Schüler und ihrer Familien - klassisch z.B. der Kapitalansatz von Bourdieu (- Migrantenfamilien haben weniger kulturelles und ökonomisches Kapital, daher haben ihre Kinder weniger Erfolg in der Schule). In dieser Studie geht es dagegen um die Diskriminierung durch die Institution Schule, unabhängig von Einstellungen z.B. der Lehrer. "Danach wären es die geläufigen Wahrnehmungsmuster, Normen, Gewohnheiten und Routinen der Schule, die an die in der Schule allfälligen Selektionsentscheidungen angelagert sind, die immer aufs Neue eine stabile Ungleichverteilung der Bildungsabschlüsse entlang ethnischer Merkmale hervorbringen" (S. 17).
Im ersten Kapitel werden dann erstmal klassische Erklärungsansätze für Rassismus erläutert. Weiter hab ich noch nicht gelesen, und ich weiß nicht, ob ich in den nächsten Wochen dafür Zeit haben werde. Steht aber auf meiner "Lesen!"-Liste, weil es sicher interessant und wichtig ist, neben den (mir) geläufigeren Milieuansätzen auch mal die Organisations-/ Systemperspektive anzuschauen.
*Update*
Ich möchte noch einen Abschnitt zitieren, den ich sehr richtig und wichtig finde:
"Von den Akteuren in Organisationen, die blind solche Effekte der Diskriminierung in Übereinstimmung mit den gültigen Regeln produzieren [gemeint sind in diesem Fall Lehrer/ Lehrerinnen], ohne dies in böswilliger Absicht zu tun, werden also nicht heroische Einzelleistungen als Widerstand erwartet, sondern ein Maß an Reflexivität der eigenen Praxis, das ausreicht, die Folgen der eigenen Entscheidungen zu erkennen. Es wäre Teil einer entfalteten Professionalität gerade im Bereich der Erziehung, wo dauernd Selektions- und Promotionsentscheidungen zu treffen sind, die eigene Naivität über die Operationsweisen der Organisation abzulegen. Professionelle hätten zu lernen, daß man in einer Position, in der man als Organisationsmitglied folgenreiche Eingriffe in das Leben von Kindern vornehmen kann und muß, eben nicht unschuldig ist an dem, was man tut. Man muß wissen, was man tut, und das eigene Tun verantworten (können)." (S. 52f)
Mittwoch, 13. Februar 2008
R
Ich habe mich die letzten Tage damit beschäftigt, in R Korrespondenzanalyse zu machen. Dazu gibts hier einen sehr hilfreichen einführenden Artikel, mit Codebeispielen. Das Buch ist bestimmt auch ganz gut, aber teuer. Auf der Website gibts ein paar Codebeispiele.
Teuer, aber umfassend ist auch dieses Buch zu R allgemein. Steht auf meiner Wunschliste.
Hier gibts ein Wiki-Book zur Einführung, das aber ein umfassenderes Werk vermutlich nicht ersetzen kann.
Die Korrespondenzanalyse hab ich dann heute auch nochmal in SPSS gemacht. Fazit: Durchklicken ist einfacher, die graphische Oberfläche ist echt hilfreich. Dafür ist R mächtiger. Und kostet nicht tausende Euro pro Lizenz.
Warum gibts an der Uni keine Kurse für R? In den Statistik-Seminaren wird fast ausschließlich SPSS eingesetzt, ganz selten vielleicht mal Stata.
Sonntag, 10. Februar 2008
Spruch (Weisheit?) I
Kritik
-
empirische Kritik: Kontrolle der Übereinstimmung der Beschreibung mit der Wirklichkeit, der Realität, wie sie sich der Erfahrung zeigt.
-
immanente Kritik: zeigt Inkonsistenz innerhalb der Beschreibung oder Theorie selbst auf, oder Neben-Folgen, die den postulierten Strukturprinzipien gerade widersprechen
-
normative Kritik: Vergleich des Seins mit dem Sollen oder Können, also dem Potential, dem erwünschten Ziel - mit dem reell ereichten. (siehe hier)
Ich bin oft beim Lesen und Schreiben zu unkritisch. Wie wird man kritischer? Wie übt man Kritik? (Haha, Wortspiel).
Es ist spät.
Freitag, 8. Februar 2008
Eigentlich wollte ich mal was zum Digital Divide schreiben...
Internet People!
Ein Stück Netzkultur (?). Das 'We didn't start the fire' der Internetgeneration. Und zum Füllen der Bildungslücken ist gleich eine Liste dabei, mit der man sich ein paar Abende beschäftigen kann (je nach Vorbildung).
Donnerstag, 7. Februar 2008
Habitus (...Stallgeruch?)
Michael Hartmann hat beispielsweise gezeigt, dass die Chance, in eine Führungsposition in einem Wirtschaftsunternehmen zu gelangen, für Promovierte bürgerlicher Herkunft wesentlich größer sind als für Promovierte aus der Arbeiterschicht. Er erklärt dies damit, dass diejenigen, die über eine Einstellung entscheiden, in der Regel selbst einer höheren Schicht angehören und unbewusst diejenigen Bewerber bevorzugen, die einen ähnlichen Habitus (Hartmann: denselben Stallgeruch) wie sie selbst haben.
Michael Hartmann: Der Mythos von den Leistungseliten.
Mittwoch, 6. Februar 2008
Stuart Hall: Identitäten
Wie war das mit der Individualisierungs-/ Pluralisierungsthese von Beck?
Interessant finde ich von Hall auch die Theorie des Rassismus ohne Rassen; dazu habe ich aber noch nichts weiter gelesen.
Stuart Hall: Old and New Identities, Old and New Ethnicities. In: King, Anthony D. (Hrsg.): Culture, globalization and the world system. Contemporary conditions for the reproduction of identity.
Dienstag, 5. Februar 2008
Schreiben lernen (und ein kleiner Exkurs zum Umgang mit Zeit)
Wieviel sollte und kann die Uni dazu beitragen, solche Kompetenzen zu vermitteln? Und wieviel sollte der Selbstverantwortlichkeit der Studenten überlassen bleiben?
Ich hab während des bisherigen Studiums schreiben gelernt, klar... mehr-oder-weniger, unsystematisch, irgendwie-so-nebenbei. Das reicht umso weniger aus, je näher ich an die Magisterarbeit herankomme.
Also: gerade weil ich schon längst keine Studienanfängerin mehr bin, kann etwas systematische Schreibausbildung nicht schaden.
Montag, 4. Februar 2008
Das Bild, das sich eine Erziehungswissenschaftlerin von Google macht
Das ist eine der Schlussfolgerungen, die Gisela Miller-Kipp in ihrem Artikel "Nie sollst du mich befragen? Das Bild, das (sich) Google von Erziehungswissenschaft im Allgemeinen macht" zieht. Einverstanden. Studierende sollten selbstverständlich lernen, mit Google (oder auch allgemeiner: mit dem umfassenden, aber auch unübersichtlichen Informationsangebot im Netz) kritisch und umsichtig umzugehen.
Der Rest des Artikels - der Weg zu dieser Schlussfolgerung - (und übrigens auch die anderen Schlussfolgerungen)... ist geprägt von einer Mischung aus Halb- und Unwissen, der Angst vor der "arkanen Informationsmacht" Google und geradezu alarmistischen Diagnosen.
Ich möchte mich hier auf einige Aussagen beschränken, die die Autorin zu den internen Mechanismen von Google macht. Aus der Vorstellung von Google, die sich darin zeigt, speist sich ihre Skepsis gegenüber dieser "Informationsmacht".
"Man weiß oder sollte wissen, dass die Suchmaschine Hinweise und Informationen nach Anfragehäufigkeit hintereinander listet".
Das ist nicht richtig. Die Seitenreihenfolge ergibt sich aus einem (im Detail geheimem) Algorithmus (genaue Informationen gibts bei Wikipedia; die weitaus größte Rolle spielen dabei Verweise auf das entsprechende Dokument von anderen Seiten. Die "Anfragehäufigkeit" ist dafür irrelevant. (Sie spielt allerdings beim Verkauf der 'AdWords'-Anzeigen eine Rolle; auf diese geht die Autorin allerdings nicht ein).
Hier vermittelt die Autorin den Eindruck, Google liste diejenigen Treffer, die am häufigsten "angefragt" werden, ganz oben; es ist unklar, wie sie sich das Verfahren genau vorstellt. Dieselbe 'Logik' taucht später noch einmal auf. Das Auftauchen von Amazon unter den 100 ersten Treffern bei einer Suche nach "Allgemeine Erziehungswissenschaft" und ähnlichen Begriffen kommentiert die Autorin besorgt: "Dort suchen die Netznutzer nach Literatur in der Sache 'Erziehungswissenschaft', was [...] bedenklich ist". Unabhängig davon, wie man das bewertet; Amazon taucht in der Trefferliste nicht deshalb weit oben auf, weil dort häufig gesucht wird.
Woher kommt dieses Missverständnis? Folgender Absatz liefert Hinweise auf... noch grundlegendere Missverständnisse.
"Zwar lautet das Motto von Google 'don't be evil' - 'tue nichts Böses'; aber halten sich die Maschine und ihre Nutzer auch daran? Gibt es wirklich nur interesselose Suchanfragen und kommunikative Ehrlichkeit? [Huh? -Anm. d. Verf.] Man darf daran berechtigterweise zweifeln. Bekannt ist inzwischen, dass man durch Anklicken die interne Zählmaschine von Google aktiviert und darüber Platzierung und Auswahl von Verweisen sowie deren Informationsgehalt beeinflussen kann."
Ähm. WTF? Interne Zählmaschine? Und Google (nein: die Klicks der Nutzer bei Google!) beeinflusst den Informationsgehalt der Verweise?
Ah, sie meint den sog. "Klickbetrug":
"tatsächlich ist betrügerisches oder manipulierendes Nutzerverhalten auch schon nachgewiesen worden" - die Fußnote dazu erläutert: "Z.B. das Ranking einer Webseite durch beliebig häufiges Anklicken zu verbessern; oder durch das Assoziieren von Suchbegriffen diese Begriffsassoziation im Netz zu hinterlegen und damit anderen Nutzern aufzudrängen".
Seufz.
Es ist nicht möglich, einen Treffer durch noch so häufiges Anklicken weiter nach oben zu befördern. Das Ranking hat nichts mit der Anklickhäufigkeit zu tun.
Und dann noch das hier:
"Gar nichts bekannt aber ist darüber, wie bei Google selbst gezählt wird". (Was gezählt?).
Doch. Darüber ist einiges bekannt.
Genug. Für heute. (Ja, es gibt noch mehr auszusetzen).
Aber noch zum Fazit: Ja, man sollte kritisch sein gegenüber der 'Informationsmacht' Google. Man sollte die Reihenfolge der Ergebnisse nicht für eine Rangliste der absoluten Relevanz (wie auch immer definiert) der entsprechenden Webseiten halten. Man sollte (als Student und selbstredend erst recht als Wissenschaftler) Google umsichtig und kritisch verwenden. Studierende sollten genau das lernen.
Um (ungefähr) zu diesem Schluss zu gelangen, zeichnet die Autorin hier ein mehr oder weniger diffuses und deshalb umso bedrohlicheres (und im übrigen weitgehend unzutreffendes) Bild der 'Informationsmacht' ("Krake") Google.
Angst vor Dingen und Phänomenen, die man nicht versteht, ist verständlich. Sie hat aber im wissenschaftlichen Diskurs nichts zu suchen. Mit anderen Worten: Kritik ist gut. Als Kritik getarnte Angst ist.. nicht gut.
PS: Ja. Mir ist klar, dass Blogger.com zu 100% Google gehört.
Miller-Kipp, G. (2007): Nie sollst du mich befragen? Das Bild, das (sich) Google von Erziehungswissenschaft im Allgemeinen macht. In: Bildung und Erziehung Jg. 60, Heft 2, S. 165-177.
Sonntag, 3. Februar 2008
Macht und Herrschaft I
Verschiedene Aspekte:
- Grundlagen der Macht - persönliche Autorität, legale Ordnung, Wissen. Auf welchen Ressourcen beruht die Macht?
- Instrumente der Macht - Strafe, Gewalt, persönliche Abhängigkeit, Manipulation.
- Beziehungen zwischen Mächtigen und Unterlegenen - Macht haben, Macht ausüben
- Reaktionen der Unterlegenen: Widerstand, Akzeptanz, Resignation, Zustimmung.
Hradil, Stefan: Soziale Ungleichheit in Deutschland.