Dienstag, 1. April 2008

Das Volk gegen die Politik

Das ist offenbar einer der Hauptargumentationsstränge der Initiatoren des Bürgerbegehrens für den Erhalt des Tempelhofer Flughafens.
Ich habe heute die Benachrichtigung über die Abstimmung geöffnet, anbei ein Heftchen mit den Argumenten der Initiative (gegen die Schließung), des Senats und des Abgeordnetenhauses (beide dafür). Da gibts einerseits die Argumente, die beide Seiten für sich reklamieren (Kosten, Arbeitsplätze, Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort allgemein; witzigerweise auch auf beiden Seiten der Verweis auf andere Weltstädte, die vormachen, wie man richtigerweise mit innerstädtischen Flughäfen umgeht). Dann die echten Argumente (eher bei den Befürwortern der Schließung: Sicherheit und Lebensqualität der Anwohner zum Beispiel).

Bei den Gegnern der Schließung kommt noch das "wir (= das Volk) gegen die da oben"-Argument dazu. Der "Bürgerwille" wird beschworen, eine überwältigende Mehrheit sei für den Erhalt des Flughafens (stimmt das wirklich?), werde aber von "der Politik" arroganterweise ignoriert. So wird das Votum für den Erhalt des Flugbetriebs umgedeutet als Aufbegehren gegen die ignoranten Politiker, die den Willen des Volkes missachten; und als Votum für "mehr Demokratie". Da wird schon recht tief in die Populismus-Phrasen-Kiste gegriffen: "Der Bürgerwille wird ignoriert. So geht man nicht mit dem Volk um"; "Mit dem Volk kann man es ja machen".


Daneben gibts noch das ein oder andere völlig sinnfreie, ähm, "Argument": "'Die Mutter aller Flughäfen' muss ein Flughafen bleiben" (ach so, ja. Na, was muss, das muss. Ähm, "die Mutter aller Flughäfen"?! Wtf?).
"Tempelhof gehört einfach zu Berlin (...) Tempelhof gibt es eben nur in Berlin". Klar hinkt der Vergleich, aber die Berliner Mauer gabs auch "nur in Berlin". Das ist ja noch kein Grund für irgendwas.


Ich hoffe sehr, dass die sich nicht durchsetzen mit ihren Pseudo-Argumenten. Nicht nur, weil ich mal in der Einflugschneise gewohnt hab.

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