Rational Choice-Theorie
Die Rational Choice-Theorie steht in der Tradition des strukturell-individualistischen Ansatzes, der von der Annahme ausgeht, dass soziale Phänomene aus dem Handeln individueller Akteure heraus erklärt werden können (und sollen). Sie geht von drei Kernhypothesen aus: Erstens, das Handeln von Individuen wird durch ihre Präferenzen bedingt; sie versuchen, durch ihr Handeln ihre Ziele zu realisieren. Zweitens, das Handeln von Individuen wird auch dadurch bedingt, welche Ressourcen und Restriktionen das Erreichen der Ziele ermöglichen oder beschränken (z.B. Einkommen, soziale Normen, rechtliche Bedingungen). Drittens, die individuellen Akteure handeln nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung. Sie handeln so, dass unter den bestehenden Einschränkungen ihre Ziele in möglichst hohem Maße realisiert werden.
Uneinigkeit besteht innerhalb der Theorie unter anderem darüber, welche Motive und Ziele in Betracht gezogen werden - nur egoistische Motivationen oder auch z.B. das Ziel, Normen zu befolgen; ebenso darüber, ob nur objektiv vorhandene Beschränkungen eine Rolle spielen oder auch subjektiv wahrgenommene.
Diskussion und Kritik lass ich mal weg.
Angewendet werden Ansätze, die in der Tradition der Rational Choice-Theorie stehen, z.B. in der Bildungsforschung: Die Werterwartungstheorie von Hartmut Esser erklärt Bildungsentscheidungen von Eltern (für ihre Kinder) durch das Verhältnis zwischen den Kosten, die ein längerer Schulbesuch des Kindes verursacht, und dem erwarteten Nutzen. In den oberen Schichten besteht der Nutzen vor allem darin, einen Statusverlust durch einen Abstieg zu vermeiden. Die Kosten spielen eine untergeordnete Rolle. In den unteren Schichten überwiegen daher oft die Kosten: ein längerer Schulbesuch des Kindes bedeutet höhere Kosten, weil das Kind später in den Arbeitsmarkt gelangt und Geld verdient, zumal dann, wenn der höhere Schulabschluss ein Studium ermöglicht. Die Schulnoten des Kindes werden demnach unterschiedlich interpretiert bzw. führen zu unterschiedlichen Entscheidungen.
Opp, Karl-Dieter: Rational Choice Theory/ Theorie der rationalen Wahl. In: Endruweit, Günter/ Trommsdorff, Gisela (Hg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 2002. S. 424-427.
Esser, Hartmut: Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 1: Situationslogik und Handeln. Frankfurt/ New York 1999. Darin: Kapitel 7. Die Wert-Erwartungstheorie.
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