Der Habitus (einer Person) ist ein relativ stabiles System von Handlungs-, Wahrnehmungs- und Bewertungsdispositionen. Bei Bourdieu stellt er sozusagen das Bindeglied zwischen der Position im sozialen Raum und dem individuellen Verhalten dar; nach außen hin ist er z.B. im Lebensstil eines Menschen "erkennbar". Er entsteht beim Aufwachsen und wird durch die jeweiligen sozialen und familialen Bedingungen geprägt. Ein "falscher" Habitus erschwert den Zugang zu bestimmten sozialen Gruppen und damit den sozialen Aufstieg; so trägt der Habitus zur Reproduktion sozialer Ungleichheit bei.
Michael Hartmann hat beispielsweise gezeigt, dass die Chance, in eine Führungsposition in einem Wirtschaftsunternehmen zu gelangen, für Promovierte bürgerlicher Herkunft wesentlich größer sind als für Promovierte aus der Arbeiterschicht. Er erklärt dies damit, dass diejenigen, die über eine Einstellung entscheiden, in der Regel selbst einer höheren Schicht angehören und unbewusst diejenigen Bewerber bevorzugen, die einen ähnlichen Habitus (Hartmann: denselben Stallgeruch) wie sie selbst haben.
Michael Hartmann: Der Mythos von den Leistungseliten.
Donnerstag, 7. Februar 2008
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