Das ist eine der Schlussfolgerungen, die Gisela Miller-Kipp in ihrem Artikel "Nie sollst du mich befragen? Das Bild, das (sich) Google von Erziehungswissenschaft im Allgemeinen macht" zieht. Einverstanden. Studierende sollten selbstverständlich lernen, mit Google (oder auch allgemeiner: mit dem umfassenden, aber auch unübersichtlichen Informationsangebot im Netz) kritisch und umsichtig umzugehen.
Der Rest des Artikels - der Weg zu dieser Schlussfolgerung - (und übrigens auch die anderen Schlussfolgerungen)... ist geprägt von einer Mischung aus Halb- und Unwissen, der Angst vor der "arkanen Informationsmacht" Google und geradezu alarmistischen Diagnosen.
Ich möchte mich hier auf einige Aussagen beschränken, die die Autorin zu den internen Mechanismen von Google macht. Aus der Vorstellung von Google, die sich darin zeigt, speist sich ihre Skepsis gegenüber dieser "Informationsmacht".
"Man weiß oder sollte wissen, dass die Suchmaschine Hinweise und Informationen nach Anfragehäufigkeit hintereinander listet".
Das ist nicht richtig. Die Seitenreihenfolge ergibt sich aus einem (im Detail geheimem) Algorithmus (genaue Informationen gibts bei Wikipedia; die weitaus größte Rolle spielen dabei Verweise auf das entsprechende Dokument von anderen Seiten. Die "Anfragehäufigkeit" ist dafür irrelevant. (Sie spielt allerdings beim Verkauf der 'AdWords'-Anzeigen eine Rolle; auf diese geht die Autorin allerdings nicht ein).
Hier vermittelt die Autorin den Eindruck, Google liste diejenigen Treffer, die am häufigsten "angefragt" werden, ganz oben; es ist unklar, wie sie sich das Verfahren genau vorstellt. Dieselbe 'Logik' taucht später noch einmal auf. Das Auftauchen von Amazon unter den 100 ersten Treffern bei einer Suche nach "Allgemeine Erziehungswissenschaft" und ähnlichen Begriffen kommentiert die Autorin besorgt: "Dort suchen die Netznutzer nach Literatur in der Sache 'Erziehungswissenschaft', was [...] bedenklich ist". Unabhängig davon, wie man das bewertet; Amazon taucht in der Trefferliste nicht deshalb weit oben auf, weil dort häufig gesucht wird.
Woher kommt dieses Missverständnis? Folgender Absatz liefert Hinweise auf... noch grundlegendere Missverständnisse.
"Zwar lautet das Motto von Google 'don't be evil' - 'tue nichts Böses'; aber halten sich die Maschine und ihre Nutzer auch daran? Gibt es wirklich nur interesselose Suchanfragen und kommunikative Ehrlichkeit? [Huh? -Anm. d. Verf.] Man darf daran berechtigterweise zweifeln. Bekannt ist inzwischen, dass man durch Anklicken die interne Zählmaschine von Google aktiviert und darüber Platzierung und Auswahl von Verweisen sowie deren Informationsgehalt beeinflussen kann."
Ähm. WTF? Interne Zählmaschine? Und Google (nein: die Klicks der Nutzer bei Google!) beeinflusst den Informationsgehalt der Verweise?
Ah, sie meint den sog. "Klickbetrug":
"tatsächlich ist betrügerisches oder manipulierendes Nutzerverhalten auch schon nachgewiesen worden" - die Fußnote dazu erläutert: "Z.B. das Ranking einer Webseite durch beliebig häufiges Anklicken zu verbessern; oder durch das Assoziieren von Suchbegriffen diese Begriffsassoziation im Netz zu hinterlegen und damit anderen Nutzern aufzudrängen".
Seufz.
Es ist nicht möglich, einen Treffer durch noch so häufiges Anklicken weiter nach oben zu befördern. Das Ranking hat nichts mit der Anklickhäufigkeit zu tun.
Und dann noch das hier:
"Gar nichts bekannt aber ist darüber, wie bei Google selbst gezählt wird". (Was gezählt?).
Doch. Darüber ist einiges bekannt.
Genug. Für heute. (Ja, es gibt noch mehr auszusetzen).
Aber noch zum Fazit: Ja, man sollte kritisch sein gegenüber der 'Informationsmacht' Google. Man sollte die Reihenfolge der Ergebnisse nicht für eine Rangliste der absoluten Relevanz (wie auch immer definiert) der entsprechenden Webseiten halten. Man sollte (als Student und selbstredend erst recht als Wissenschaftler) Google umsichtig und kritisch verwenden. Studierende sollten genau das lernen.
Um (ungefähr) zu diesem Schluss zu gelangen, zeichnet die Autorin hier ein mehr oder weniger diffuses und deshalb umso bedrohlicheres (und im übrigen weitgehend unzutreffendes) Bild der 'Informationsmacht' ("Krake") Google.
Angst vor Dingen und Phänomenen, die man nicht versteht, ist verständlich. Sie hat aber im wissenschaftlichen Diskurs nichts zu suchen. Mit anderen Worten: Kritik ist gut. Als Kritik getarnte Angst ist.. nicht gut.
PS: Ja. Mir ist klar, dass Blogger.com zu 100% Google gehört.
Miller-Kipp, G. (2007): Nie sollst du mich befragen? Das Bild, das (sich) Google von Erziehungswissenschaft im Allgemeinen macht. In: Bildung und Erziehung Jg. 60, Heft 2, S. 165-177.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen